Kein Abschluss ohne Anschluss

Das schweizerische Bildungssystem müsste man neu erfinden, bestünde es nicht bereits. Es bietet fast für jede Biografie einen Bildungsweg nach oben. «Kein Abschluss ohne Anschluss!» ist das Motto; und es stimmt! Egal, wo man die Bildungslaufbahn startet, man verbaut sich eigentlich nichts.

Beginnen wir mit den Standardverläufen: Entweder man besucht eine gymnasiale Maturitätsschule, oder man sucht den Einstieg ins Berufsleben in Form der dualen Berufsbildung. Die duale Berufsbildung verbindet Lernen am Arbeitsplatz mit Lernen in der Berufsfachschule. Wer will und kann, bereitet sich an der Berufsfachschule parallel zur Lehrzeit auf die Berufsmatur vor. Diese kann auch im Anschluss an die Lehre absolviert werden.

Bachelor oder Master
Die gymnasiale Matura stellt die Zugangsberechtigung zu universitären und die Berufsmatur jene zu Fachhochschulen sicher. Beide Hochschultypen bieten seit kurzem nach angelsächsischem Muster auf einer ersten Stufe Bachelor-Studien an, die i.d.R. drei bis vier Jahre dauern. In weiteren ein bis zwei Jahren können Bachelors den Master-Abschluss und anschliessend – ausschliesslich an universitären Hochschulen – in zwei bis drei Jahren ein Doktorat erwerben.

Sowohl universitäre als auch Fachhochschulen bieten Weiterbildung an. Diese Nachdiplomstufe führt zu sogenannten MAS-(Master of Advanced Studies)- bzw. EMBA-(Executive MBA)-Abschlüssen.

Höhere Berufsbildung
Lehrabsolventen mit Fähigkeitszeugnis haben die Möglichkeit, sich im System der höheren Berufsbildung weiter zu entfalten. Die Stärke der höheren Berufsbildung ist, dass sie massgeblich von der Wirtschaft über sogenannte Organisationen der Arbeitswelt (z.B. Swiss Marketing [SMC]) beeinflusst und mitgesteuert wird. Dadurch kann die Nähe zur Wirtschaft optimal gewährleistet werden.

Die höhere Berufsbildung umfasst zwei gleichwertige, aber andersartige Stränge:

  • Es gibt auf der einen Seite den Strang der Berufs- und Höheren Fachprüfungen, die zu eidg. Fachausweisen und Diplomen führen; Beispiel dafür sind die Marketingfachleute mit eidg. Fachausweis und die dipl. Verkaufsleiter/ innen. Speziell an diesem Strang ist, dass er prüfungsorientiert ist. Um an Berufs- bzw. Höheren Fachprüfungen antreten zu können, ist allerdings kein Schulbesuch verlangt. Selbstverständlich bereiten sich dennoch die meisten Kandidaten schulisch auf die Prüfungen vor.
  • Auf der anderen Seite bestehen die höheren Fachschulen, beispielsweise die Höhere Fachschule für Wirtschaft oder die geplante Höhere Fachschule für Marketing und Kommunikation. Im Unterschied zu den Berufs- und Höheren Fachprüfungen ist bei höheren Fachschulen der Schulbesuch zwingend und nimmt i.d.R. berufsbegleitend drei Jahre in Anspruch.

Auch die höheren Fachschulen sind zweistufig konzipiert: Auf die sogenannten Bildungsgänge (Abschluss mit Diplom HF) setzen Nachdiplomstudien (NDS HF) auf.

Durchlässigkeit schafft Chancen
Das System der höheren Berufsbildung ist sehr durchlässig: So können sowohl Inhaber eines eidg. Fachausweises als auch Absolventen eines Diplomstudiums an einer höheren Fachschule zwischen Höheren Fachprüfungen oder einem Nachdiplomstudium HF wählen.

Erfreulich ist der Umstand, dass Inhaber einer Höheren Fachprüfung, eines Diploms oder Nachdiploms einer höheren Fachschule zur Nachdiplomstufe (MAS und EMBA) an Fachhochschulen zugelassen sind. Ein Verkaufsfachmann mit eidg. Fachausweis, der ein MAS-Programm einer Fachhochschule belegen will, kann dies tun, wenn er zuvor z.B. das eidg. Diplom Verkaufsleiter oder ein Nachdiplomstudium HF absolviert hat.

Fazit: Die Durchlässigkeit im schweizerischen Bildungssystem ist wirklich gegeben, und die höhere Berufsbildung bleibt ein attraktiver Weg. Wer unbedingt einen Hochschulabschluss will, erreicht ihn nämlich auch über die höhere Berufsbildung.

Von Dr. Peter Petrin, Vizepräsident SMC und Direktor des Schweiz. Instituts für Betriebsökonomie SIB.

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